Schätzungen zufolge leiden etwa 8 - 10 Millionen Menschen in Deutschland unter extremer Angst vor dem Zahnarzt. Gemeint ist hier nicht nur ein allgemeines Unbehagen, das die meisten Menschen beim Zahnarztbesuch kennen, sondern wirkliche Panik. Die Symptome einer solchen ausgeprägten Angst reichen von Unruhe, Schwindel, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Zittern über Herzrasen bis hin zum Kreislaufkollaps. In ihrer Verzweiflung kämpfen die Leidtragenden mit Depressionen oder flüchten sich in Schmerzmittel- bzw. Alkohol-Abhängigkeit. Die Patienten quälen sich mit dauernden Zahn- und Kopfschmerzen, immer wiederkehrenden Infekten und peinlichem Mundgeruch herum. Weil sie sich ihrer ruinösen und schwarz verfärbten Zähne schämen, sind soziale Isolation und vor allem die Vermeidung intimer Kontakte nicht selten. Die Probleme werden in einer Art Teufelskreis immer wieder verstärkt. Häufig liegt eine schwere seelische Verletzung oder ein schmerzhaftes Erlebnis zugrunde, wie z.B. in früher Kindheit bei der ersten Begegnung mit dem Zahnarzt. Diese belastenden Erinnerungen können unbewusst gespeichert sein und sind Grund genug, in späteren Zeiten den Zahnarztbesuch oft über viele Jahre hinaus zu schieben, und das trotz ständiger heftiger Zahnschmerzen. Unausweichliche Folge ist natürlich, dass der Zustand der Zähne immer katastrophaler wird. Dabei rauben schlechte Zähne nicht nur die Lebensenergie und stören das seelische Gleichgewicht, sondern können auch zu anderen gesundheitlichen Folgekrankheiten führen. Wussten Sie, dass Patienten mit chronischer Entzündung des Zahnbettes fünf mal häufiger an Arterienverengung und neun mal häufiger an Herzinfarkt oder Schlaganfall leiden als Gesunde? Die schwere Angst vor dem Zahnarzt, in der Fachsprache "Oral-Phobie" genannt, muss als psychisches Problem erkannt werden, um ihm gezielt zu begegnen. Daher haben sich in München mehrere Zahnärzte, Kinderzahnärzte, Narkoseärzte und Schmerz-Therapeuten zur "Behandlungsgemeinschaft Zahnarzt-Angst" zusammengeschlossen. Die Ärzte haben seit vielen Jahren Erfahrung im Umgang mit den speziellen Problemen dieser Patienten. Dr. med. Dipl.-Ing. Andreas Müller, Facharzt für Anästhesie, hat die Gemeinschaft ins Leben gerufen: "Angst vor dem Zahnarzt zu haben ist menschlich und keine Schande. Mit ihren Ängsten werden die Betroffenen aber oft allein gelassen und fühlen sich bedroht oder hilflos. Unser Ziel ist es, sie zu verstehen und ihnen Mitgefühl entgegen zu bringen, und die Angst vor der Zahnarzt-Behandlung wirklich ernst zu nehmen. Wir helfen ihnen mit unseren Behandlungskonzepten, um den Gang zum Zahnarzt zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen." Im Umgang mit der Zahnarzt-Angst gibt es eine ganze Reihe von therapeutischen Möglichkeiten wie z.B. Entspannungstherapien, Gesprächs- oder Verhaltenstherapie, Akupunktur, Hypnose u.a. Bei sehr großer Angst hilft oft nur noch eine Behandlung in Narkose.